| |
Ein überwältigendes Feuerwerk an sprachlicher Schönheit
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Edmond oder Geschichte einer Sehnsucht. Roman. (Sondereinband) Wer glaubt, mit dem Kauf von Dagmar Leupolds Roman "Edmond: eine Geschichte der Sehnsucht" eine leichte-lockere Lektüre mit einer packenden Liebesgeschichte erstanden zu haben, der irrt. Vielmehr ist das Buch eher als ein überwältigendes Feuerwerk an sprachlicher Schönheit zu bezeichnen, dessen Zündstoff die Auseinandersetzung mit Worten und Bezeichnungen sowie mit dem Romanschreiben an sich ist. Die Liebesgeschichte zwischen Edmond und der Ich-Erzählerin wirkt durch diese Auseinandersetzung zwar etwas sekundär und nur als Aufhänger für einen Stoff, doch genau die sprachlichen Beobachtungen der Erzählerin und ihre geistigen Dispute über das Romanschreiben bereichern die Liebesgeschichte enorm und sie erfährt eine neue Form der Intensität. Würde man nur den reinen Verlauf der Liebesbeziehung zu Edmond skizzieren, scheint an der Geschichte nichts Ungewöhnliches zu sein (Frau verliebt sich in einem Schlafwagen in einen Amerikaner, sie verbringen gemeinsame Tage und Nächte in Paris, sie folgt ihm nach Amerika, er verliebt sich in eine andere, sie kehrt wieder zurück nach Deutschland und stellt fest, dass sie schwanger von ihm ist, aber es gilt: "No way back"). Jedoch gehört "Edmond: Geschichte einer Sehnsucht" zweifelsohne zu den Büchern, bei denen es sich lohnt, sie ein zweites oder drittes Mal zu lesen. Mit der Schwangerschaft setzt zugleich der Roman ein und im Rückblick wird die Geschichte erzählt. Der Leser bekommt den Eindruck, als würde die Ich-Erzählerin versuchen, mit Hilfe des Romanschreibens die Beziehung zu verarbeiten, in dem sie das Erlebte mit Worten in die Form "Roman" gießt. Wie unglaublich bereichernd dieser sprachliche und literarisch hochwertige Erguß sein kann, sollte jeder, der kein Fan von seichten Romanen ist, ausprobieren.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. August 2002 |